Sowohl bei humanitären Krisen als auch bei großflächigen und langanhaltenden Naturkatastrophen und anderen Notfallsituationen ist ein schneller, gezielter Einsatz von Hilfskräften notwendig. Dazu bedarf es unter anderem detaillierter regelmäßiger Informationen über den Umfang der betroffenen Fläche und zu Art und Ausmaß der Schäden. Solche Lageinformationen können über den GMES-Emergency Management Service zur Verfügung gestellt werden. Detailinformationen wie mögliche Zugangswege können zusätzliche Unterstützung bieten, um Hilfskräfte möglichst direkt in die jeweils betroffenen Regionen entsenden zu können.
Neben der Bereitstellung von satellitenbasierten Informationen zur Lagebewältigung wurden Produkte zur Vorbereitung auf und Nachbereitung von Krisen entwickelt. Dies sind z.B. Referenzkarten für Regionen außerhalb Europas, spezielle Situationsanalysen oder detaillierte Schadenskartierungen und Dokumentation der Aufbauarbeiten.
Die Produkte stehen in unterschiedlichen Maßstäben von 1:5.000 bis 1:200.000 zur Verfügung und werden mit optischen Satellitendaten oder Radardaten hergestellt. Die Produkte können von allen Ebenen des Krisemanagements genutzt werden (vom übergeordneten Krisenstab bis zur Einsatzleitung), da ausgewertete Daten in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung gestellt werden.
Nationaler Kontaktpunkt und autorisierte Stelle um den Dienst zu nutzen ist das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Bis Ende 2011 wird der Dienst durch das SAFER-Projekt realisiert. Eine operationelle Fortführung ab 2012 ist in Vorbereitung.
Der Notfall-Dienst bietet eine große Bandbreite an Produkten für alle Phasen des Krisenmanagement-Zyklus an. Im Bereich Prävention werden zum einen topographische Basisinformationen (geographisches Referenzkarten), zum anderen darüber hinausgehende Analysen und Informationen z.B. zu Infrastruktur oder zu Evakuierungsplanungen zur Verfügung gestellt.
Für die Krisenbewältigung werden Informationen zur Ausdehnung des Ereignisses und zur Schadensfeststellung innerhalb 20 bis 30 Stunden nach Anforderung geliefert. Bei entsprechender Vorwarnzeit kann sich die Lieferzeit verkürzen. Durch den Vergleich von aktuellen Satellitenaufnahmen mit Archivdaten können detaillierte Erkenntnisse zu aufgetretenen Schäden (zerstörte Häuser, Infrastruktur aber auch Landnutzung) gewonnen werden. Darüber hinaus kann durch wiederholte Auswertungen (z.B. alle zwei Tage) die Entwicklung einer Situation beobachtet und quantifiziert werden.
Neben der Informationsbereitstellung zur unmittelbaren Krisenbewältigung stehen auch Produkte für lang anhaltende humanitäre Krisen zur Verfügung wie z.B. Kartierung und Monitoring von Flüchtlingscamps. Ebenso können Satellitenbildauswertungen wertvolle Hilfen für die Nachbereitungs- bzw. die Wiederaufbauphase sein.
“Starke Regenfälle und die Schneeschmelze im Januar 2011 führten zu Überflutungen entlang der Weissen Elster. Diese Karte zeigt das Gebiet entlang der Weissen Elster in Leipzig. Der Höchststand des Pegels (3,34m) wurde am 15.01.2011 in Kleindalzig, südlich von Leipzig erreicht.
Die dargestellte Wasserfläche wurde aus einer Aufnahme des COSMO-SkyMed Satelliten vom 19.01.2011 abgeleitet.
Sie wurde mit TerraSAR-X Daten vom 17.01.2011 überprüft. Eine topographische Karte im Hintergrund dient der Orientierung.“
Das Raumfahrtmanagement des DLR hat zur Vorbereitung auf den GMES Dienst zum satellitengestützten Katastrophen- und Krisenmanagement das Projekt „DeSecure“ durchgeführt (2007-2010). Dabei wurde der gesamte Produktionszyklus (Datenempfang, Prozessierung, Informationsextraktion, Kartenerstellung und –bereitstellung) analysiert und verbessert.

Dr. Michael Judex
Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe
0228 / 99-550-2502
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